Meine Damen und Herren,
zuerst möchte ich mich für die Einladung zur heutigen Personalversammlung herzlich bedanken.
Wie Sie wissen, ist bei vielen der vom Personalrat an die Kandidaten gestellten Fragen nicht der Bürgermeister allein der Entscheidungsträger. Bei einem großen Teil des Fragenkatalogs ist der Rat das entscheidende Gremium, das über Veränderungen zu bestimmen hat. Insoweit betone ich ausdrücklich, dass meine Aussagen heute zwar meine Meinung wiedergeben, aber damit keine Automatik gegeben ist, dass der zukünftige Rat das genauso sieht. Natürlich ist es hilfreich, wenn der zukünftige Bürgermeister eine entsprechende Basis im Rat hat. Bei mindestens einer Fraktion bin ich mir da bei meiner Person sicher!
Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden, dass ich Ihre Fragen nicht einzeln Punkt für Punkt abhake, sondern in etwas anderer Reihenfolge beantworte, da es meiner Sicht bei den einzelnen Fragen Überschneidungen gibt.
Ich sehe keinen Bedarf einen der Eigenbetriebe oder andere Bereiche der Verwaltung auszulagern oder zu privatisieren. Ein verstärkte Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns Stadt insbesondere mit den Töchtern Stadtwerke und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft IGW kann ich mir jedoch schon vorstellen.
Für das Seniorenzentrum gilt, dass je schneller es gelingt die vorhandenen Defizite abzubauen - und ich meine mit Defiziten erst an zweiter Stelle die finanziellen - desto weniger Stimmen aus der Politik wird es geben, die eine Privatisierung in Betracht ziehen. Hier ist die neue Betriebsleitung gefragt. Aber auch die Belegschaft ist hier gefordert. Wenn es gelingt, das SWI wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen, wird es auch weiterhin ein städtisches Altenheim geben.
Grundsätzlich gilt, dass eine Stadt kein Unternehmen ist! Und damit auch nur bedingt ein Vergleich mit der Privatwirtschaft möglich ist. Privatunternehmen sind an erster Stelle - und das ist nichts Verwerfliches - an Gewinn interessiert. Für eine Stadt muss das Wohl der Menschen an erster Stelle stehen. Dies zeigt sich gerade in Krisenzeiten wie jetzt.
Ich halte unsere Verwaltung und damit auch ihre Struktur grundsätzlich für gut.
In der Stadt Lüdenscheid sieht man das übrigens ähnlich. In der politischen Diskussion der letzten Jahren wurde Iserlohn als positives Beispiel für eine gute, zumindest bessere Verwaltungsstruktur genannt.
Das Mehr an Verantwortung in den Ressorts und Eigenbetrieben hat sich in der Regel bewährt. Natürlich gibt es auch Probleme. Die liegen aber in der Regel nicht in der Struktur der Verwaltung, sondern sind oft eher menschlicher Natur. Aber, das sage ich auch, Strukturen können auf Dauer verkrusten. Das bedeutet, dass Sie immer wieder hinterfragt werden müssen.
Meine Damen und Herren,
nach der Kommunalwahl wird es zwangsläufig Veränderungen von Zuständigkeiten geben, da Klaus Müller nicht nur als Bürgermeister sondern auch als Ressortleiter ausscheidet.
Daneben werden in den nächsten Jahren auch viele Kolleginnen und Kollegen auf Grund ihres Alters die Verwaltung verlassen. Die Zahl der gerade auch durch Altersteilzeit ausscheidenden Kräfte auch in Führungspositionen wird einen starken Umbruch im Rathaus hervorrufen. Hier sehe ich Risiko und Chance gleichermaßen. Für mich gilt dabei, dass ich in der Nachfolge an erster Stelle eigene Leute sehe. In Iserlohn kann man auch in Zukunft als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter die Karriereleiter bei guter Leistung bis in die Verwaltungsspitze erklimmen. Die Berufung von Katrin Brenner zur Ressortleiterin nenne ich hier als letztes von vielen Beispielen.
Grundsätzlich gilt bei entsprechender Qualifikation, dass Positionen intern besetzt werden sollten. Erst wenn hier ein Defizit besteht, sollten Mitarbeiter von außen geworben werden.
Stichwort Qualifikation. Ich bin ein Freund von Fort- und Weiterbildung. Es ist besser eigene Kräfte zu schulen und für Ihre Aufgaben fit zu machen, als extern Lösungen zu suchen. Hier darf nicht an falscher Stelle gespart werden.
Dies gilt auch im Ausbildungsbereich. Hier ist in der Verwaltung so nach Bedarf auszubilden, dass für jeden Azubi auch nach erfolgreichem Abschluss eine Stelle zur Verfügung steht. In Berufen, für die es auch außerhalb von öffentlichen Verwaltungen Perspektiven gibt, sollten wir weiter aus gesellschaftlicher Verantwortung über Bedarf ausbilden.
Ich werde als Bürgermeister immer ein offenes Ohr für die Beschäftigten haben. Nur miteinander kann man das Beste für unsere Stadt erreichen. Das heißt, dass ich die genannten und mit Klaus Müller vereinbarten Regelungen beibehalten werde. Lieber ein Gespräch zu viel als eins zu wenig. D.h., dass ich jederzeit auch kurzfristig für Gespräche zur Verfügung stehen werde. Wer sich auf die gesetzlichen Regelungen zurückzieht ist nur zu feige für den offenen Austausch der Argumente.
Ich habe gerade schon erläutert, dass ich in erster Linie auf eigene Mitarbeiter zurückgreifen will. Das gilt auch für städtische Projekte. Das was von Seiten der Stadt, von Politik und Verwaltung, an Ideen und Vorstellungen erarbeitet wurde, ist gut umgesetzt worden. Innenstadt, Bahnhofsareal oder auch Haus Letmathe sind nur einige Beispiele dafür. Ganz Iserlohn ist in den letzten 10 Jahren attraktiver und lebenswerter geworden. Und das ist auch ein Verdienst der Mitarbeitschaft.
Zur angesprochenen Frage der Demographie kann ich keine Patentrezepte nennen. Wir werden den Rückgang der Bevölkerungszahlen nicht stoppen, sondern höchstens bremsen können.
Dies kann nur gelingen, wenn wir die Attraktivität Iserlohns für die Menschen erhalten und ausbauen. Das gilt für die Innenstadt aber genauso auch für die Ortsteile. Wir müssen für alle Generationen Argumente liefern, warum unser Iserlohn gerade für sie lebenswert ist. Mit den von Ihnen genannten Stichworten (Seniorenarbeit, Ganztagsschule und Kindertageseinrichtungen) sind dabei einige Bausteine benannt.
Ich denke, dass ich noch nicht alle Ihrer Fragen abschließend beantworten konnte. Als noch Außenstehender kann ich eben noch nicht alle Abläufe und Strukturen ausreichend beurteilen.
Die Beantwortung der offenen Fragen hole ich gerne, wenn der Wähler entsprechend entscheidet, bei der nächsten Personalversammlung nach.
Wichtig ist mir, bei allem was wir tun, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, aber eben auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wichtige Bestandteile unserer Gesellschaft und sollten so behandelt werden. Kein Vorgesetzter ist ein besserer Mensch, weil er Vorgesetzter ist.
Die ersten Wochen als gewählter Bürgermeister, nach Möglichkeit noch vor der offiziellen Amtsübergabe, werde ich nutzen, um die Verwaltung noch besser kennen zu lernen. Ich werde dafür in allen Bereichen das Gespräch mit möglichst vielen von Ihnen suchen. Wenn gewünscht, stehe ich natürlich auch jetzt schon zu Gesprächen zur Verfügung.
Herzlichen Dank!
(Es gilt das gesprochene Wort!)