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19.03.09

Unterschiedliche Positionen zum Schulsystem

 

Hartmut Bogatzki

Hartmut Bogatzki zu Gast bei Gesprächsrunden am Stenner-Gymnasium und in Rheinen

Iserlohn. Gleich zwei Diskussions-Einsätze hatten die Bürgermeister Kandidaten am Mittwoch. Vormittags hatte das Gymnasium An der Stenner eingeladen, abends war die Dorfgemeinschaft Rheinen Gastgeber.

Schul- und jugendrelevante Themen standen bei der Podiumsdiskussion im Gymnasium An der Stenner im Mittelpunkt. Auf Anregung des Zusatzkurses Sozialwissenschaften der Stufe 13 stellten sich die fünf Bürgermeisterkandidaten im Forum den Fragen der Stufen 12 und 13.

Im Nachgang befanden einige Schülerinnen und Schüler, bis auf wenige Ausnahmen seien die Kandidaten zu zahm miteinander umgegangen, es habe zu wenig konträre Positionen gegeben. Eine der Ausnahmen war das Schulsystem. Angestoßen worden war die Debatte durch die Frage einer Schülerin mit Migrationshintergrund, die darauf hinwies, dass es für Migrantenkinder weiterhin schwieriger sei, Abitur zu machen. Oliver Ruhnert von den Linken sprach sich gegen das dreigliedrige System aus und forderte eine zweite Gesamtschule, Harald Eufinger (Bündnisgrüne) propagierte das Modell der „Schule für alle” bis zum 10. Schuljahr, SPD-Kandidat Dr. Peter Paul Ahrens befürwortete die Pläne seiner Partei, eine zweite Gesamtschule in Iserlohn einzurichten. So kämen von den heute vierjährigen Kindern bereits 50 Prozent aus Migrantenfamilien. Und da sei es eine wichtige Aufgabe, möglichst vielen von ihnen einen hoch qualifizierten Schulabschluss zu ermöglichen. Hartmut Bogatzki machte dagegen deutlich, dass er Pläne für eine „Einheitsschule” klar ablehne. Der eingeschlagene Weg, die Attraktivität von Hauptschulen zu stärken, sei der richtige. Auch das Angebot einer Gesamtschule halte er für richtig. Nach der Hemeraner Entscheidung, ebenfalls eine Gesamtschule einzurichten, sei die Debatte über eine zweite Iserlohner Gesamtschule aber endgültig hinfällig. Der parteilose Kandidat Lutz Tim Tölle hält das gegliederte System grundsätzlich für richtig, auch wenn für einige Schüler der Zeitpunkt der Entscheidung zu früh sei. Wichtig sei die ausreichende Durchlässigkeit zwischen den Schulformen.

Kinderarmut war ein weiteres Thema. Harald Eufinger sagte, Hartz IV sei in einigen Punkten ein Fehler gewesen, es müsse wieder mehr gefördert als gefordert werden. Egal, ob die Armut von den Eltern mitverschuldet sei oder nicht, Kinder dürften auf keinen Fall in Sippenhaft genommen werden. Beim Thema Kinderarmut wollte Lutz Tim Tölle nicht nur den materiellen Ansatz sehen. Auch was Chancen anbelangt, müsse Kindern aus armen Familien der Zugang zu einem besseren Leben ermöglicht werden. Dass sei alles nett geredet, so Hartmut Bogatzki. Er befand, dass eine frühzeitige Betreuung zentrale Bedeutung habe. Und da seien in der Stadt Iserlohn bereits wichtige Schritte zurückgelegt. So würden in der Endstufe 300 Ü-3-Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Und aufgrund der gezogenen Einkommensgrenzen würden heute schon 37 Prozent der Kindergarteneltern keinen Beitrag mehr bezahlen. Geringere Beiträge für einkommensschwache Familien gebe es auch an den offenen Ganztagsschulen oder beim Mittagessen. Dr. Peter Paul Ahrens sprach sich dafür aus, besonders Kindergärten und Schulen zu fördern, an denen sich die Probleme ballten. Oliver Ruhnert sagte, Kinderarmut in einem reichen Land sei nicht hinnehmbar.

Angesprochen wurde von den Schülern auch die Sporthallen- und Parkplatzsituation - in beiden Fällen wurde auf eine bessere Situation am Schulzentrum Hemberg hingewiesen. Tenor: Der attraktiven Innenstadtlage des Gymnasiums stünde nun einmal eine nachhaltige räumliche Enge gegenüber.

Aus Sicht einiger Besucher nicht optimal verlief der Diskussionsabend mit den fünf Bürgermeisterkandidaten im bestens besuchten Dorfgemeinschaftshaus Rheinen. Das Thema „Ländlicher Raum” wurde phasenweise etwas zu akademisch behandelt, und als bürgerrelevante Themen wie Nahversorgung oder öffentliche Verkehrsmittel auf den Podiumstisch kamen und weitere folgen sollte, drückte der Kalthofer CDU-Ratskandidat Bernd Diederichsen der Diskussion einen Themenwechsel auf. Die Kandidaten sollten ihre Visionen und ihre Befähigung zum Bürgermeisteramt darlegen. Von da an kam viel Bekanntes.

Von Bürgern kritisiert wurde beispielsweise eine mangelhafte Straßenbeleuchtung, mangelnde Alternativen zum Brennstoff Öl beim Heizen oder eine schlechte Verbindung zur Neuen Mitte Hennen für Radfahrer. Überhaupt sei in Hennen vieles nett gemacht und Rheinen dabei etwas nach hinten geschoben worden. Gefordert wurde die Förderung der Landwirtschaft, entsprechende Flächen müssten erhalten bleiben. CDU-Bürgermeisterkandidat Hartmut Bogatzki sieht - anders als Lutz Tim Tölle - derzeit auch keine Notwendigkeit für ein neues Gewerbegebiet. Hier sollten zunächst Restflächen und Industriebrachen verwertet werden. Sehrwohl müsse es aber für Menschen aus dem Iserlohner Norden möglich sein, zu bauen, etwa auf den Grundstücken der Eltern.

Thema war auch die Hauptschule Hennen. SPD-Bürgermeisterkandidat Dr. Peter Paul Ahrens sagte, 22 Anmeldungen für das neue Schuljahr würden sogar schon die Grenze der Einzügigkeit schrammen. Die ernsthafte Prüfung einer Gesamtschule für den Iserlohner Norden sei somit ein richtiger Weg.

Rheinens „Dorfbürgermeisterin” Doris Mikus bedankte sich bei den Kandidaten und Moderator Dr. Peter Markus für den Besuch, hofft auf weitere Unterstützung beim Erhalt des allseits gelobten Dorfgemeinschaftshauses und sprach eine Einladung zur Bauernolympiade aus. Oliver Ruhnert (Linke) bot Bogatzki an, ihn dafür zu trainieren. Dazu Bogatzki: „Wenn Sie mich fit kriegen, dann werden Sie auch Trainer bei Schalke.”

Quelle: ikz-online.de vom 19.03.09 (Stefan Drees)